Hypotheken in der Schweiz
Zurzeit sind die Hypothekarzinsen in der Schweiz auf einem historisch tiefen Stand. Noch nie war die Zeit so günstig zu einem Eigenheim zu kommen und Wohneigentum fremd zu finanzieren. Die Wirtschaft erholt sich momentan zwar wieder langsam, doch gehen Experten davon aus, dass die Zinsbelastung auch in nächster Zeit noch vergleichsweise tief bleiben wird. Es bleibt also noch etwas Zeit um sich zu überlegen ob man sich nun den Traum vom Eigenheim finanzieren möchte. Solche Ideen sollten seriös abgeklärt werden und nicht auf die schnelle entschieden werden.
Viele schliessen zurzeit ziemlich blauäugig eine Hypothek ab und sind sich gar nicht bewusst, dass sie höre Zinsbelastungen gar nicht tragen könnten und nicht darum herum kommen würden ihr Haus zu verkaufen.
Hypothekarzinsen waren auch schon höher
Vor zwanzig Jahren lagen die Hypothekarzinsen in der Schweiz noch bei gut 7 Prozent. Heute gerät dies schnell in Vergessenheit. Während den letzten 150 Jahren bewegten sich die Hypothekarzinsen in der Schweiz meistens um die 4-5 Prozentmarke herum. So tiefe Zinsen wie im Moment gab es noch nie. Dies hat verschiedene Gründe, einer davon war die notwendige Senkung der Leitzinsen um die Wirtschaft anzukurbeln. Tiefe Zinsen bergen allerdings die Gefahr von Inflation. Die Notenbanken dieser Welt werden deshalb bemüht sein, so bald wie möglich die Zinse wieder leicht anzuziehen. Eine Erhöhung des Leitzinsen wiederum führt dann zur höheren Hypothekarzinsen. Dies dürfe wohl noch nicht heute der Fall sein, aber mittelfristig ist dieses Szenario nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich. Erschreckend ist angesichts dieser Prognose die Tatsache, dass laut einer Umfrage von Comparis jeder zwölfte Hypothekarnehmer die Zinsforderung bei einem Anstieg der Hypothekarzinse auf 5 Prozent nicht mehr bedienen könnte. Ein Hypothekarzins von fünf Prozent ist zwar doppelt so hoch als im Moment, doch alles andere als unwahrscheinlich. Schaut man sich die Schwankungen des Hypothekarzinses in der Schweiz in den letzten 50 Jahren an, so dürfte dies einem sehr leicht einleuchten.
Richtig gefährlich wird die Situation, wenn steigende Hypothekarzinsen in Kombination mit sinkenden Immobilienpreisen auftreten. Dies hat den Effekt, dass sowohl die monatliche Belastung steigt, als auch eine grosse Summe fällig wird, da die Banken einen Teil der Hypothek zurückfordern werden. Lassen sie uns ein Beispiel durchdenken. Sie spielen zur Zeit mit dem Gedanken ein schönes Einfamilienhaus zu erwerben und haben sich ein Budgetlimite von einer Million Franken gesetzt. Damit bekommen sie in der Schweiz schon ein ziemlich schönes Objekt, vorausgesetzt sie haben sich nicht gerade die Goldküste am Zürichsee als Lage ausgesucht. In der Schweiz ist es üblich 20 Prozent der Hypotheksumme als Eigenkapital einzubringen. Das heisst sie finanzieren 200?000 Franken direkt, die restlichen 800?000 Franken über eine Hypothek. Sie bezahlen für ihre 10 Jährige Hypothek zurzeit einen jährlichen Zins von 2.5 Prozent. Dies ist für die momentanen Hypothekarzinsen eine durchaus realistische Grössenordnung. Sie bezahlen also der Bank jedes Jahr insgesamt 20?000 Franken Zinsen. Geteilt durch die 12 Monate ergibt sich eine monatliche Belastung von 1?666 Franken. Ziemlich ok, zu meckern gibt es da nicht sehr viel. Als Faustregel gilt: Die Miete, respektive die Hypothekarbelastung sollte ein Drittel des monatlichen Einkommen nicht übersteigen. Wer mehr als 6000 Franken im Monat nach Hause bringt, lebt in dieser Situation sehr komfortabel. Trotzdem ist es wichtig auch in dieser Situation etwas auf die Seite zu bringen.
Das Gesamtbild kann allerdings auch schnell ganz anders aussehen. Beispielsweise, wenn die Hypothekarzinsen auf 5 Prozent steigen. Dann steigt die Monatliche Belastung gleich auf über 3000 Franken. Um immer noch die Ein-Drittelregel einzuhalten braucht es nun schon ein monatliches Einkommen von 9000 Franken. Noch fataler ist das ganze Szenario, wenn nun auch noch die Immobilienpreise in der Schweiz sinken und das Haus nun nur noch 800?000 Franken wert ist. Eine Reduktion der Immobilienpreise um 20 Prozent ist nicht wirklich sehr abwegig und liegt durchaus im Bereich des Möglichen.
Wenn nun der Wert der Immobilie sinkt, so möchte die Bank einen Teil des Darlehens zurück. Die Hypothek verkleinert sich also. Gehen wir auch weiterhin von einer Eigenbeteiligungsquote von 20 Prozent aus, so werden nun auf einen Schlag. 200?000 Franken zurückzahlen. Mit der Rückzahlung reduziert sich natürlich auch die Gesamte-Hypothek und die monatliche Belastung wird geringer. Doch das Geld für die Rückzahlung muss vorhanden sein, ansonsten droht eine Auflösung der Hypothek und damit verbunden ein Zwangsverkauf. Nehmen wir an, dass die Hypothekarzinsen immer noch bei 5 Prozent bleiben, der Wert auf 800?000 gesunken ist und die 200?000 Franken vorhanden waren um einen Teil der Hypothek zurück zu zahlen. Auch in diesem Fall müssen 2500 Franken aufgewendet werden um jeden Monat die Hypothekarzinsen bedienen zu können.
Hypotheken gut auswählen
Damit sie selbst bei einer Verschlechterung der Marktlage nicht in Probleme geraten raten Experten, die Eigenbeteiligungsquote, wenn möglich zu erhöhen. Statt nur 20 Prozent finanzieren sie die Immobilie gleich zu 30 Prozent selber. Da die Hypothekarzinsen zur Zeit ziemlich tief sind können sie alternativ überlegen ob sie nicht eine indirekte Amortisation bevorzugen wollen. Dabei zahlen sie die Hypothek nicht direkt ab sondern sparen das Geld auf einem 3a Konto an. Diese 3a ?Vorsorge ist in der Schweiz steuerbegünstig. Allerdings können sie nur einen gewissen Betrag im Jahr auf ein solches Konto einzahlen. Der Maximalbetrag wird jedes Jahr vom Bundesrat festgelegt und liegt zur Zeit etwas unter 7000 Franken. Das Guthaben auf dem 3a Konto ist streng zweckgebunden und darf beispielsweise nur für den Kauf einer Immobilie oder der Abzahlung einer Hypothek verwendet werden. Unser Tipp. Rechnen sie ihre Finanzierung mindestens mit dem doppelten Wert des aktuellen Hypothekarzinses. Auch in einer solchen Situation sollten sie die Hypothekarschuld ohne weiteres bedienen können. Ausserdem sollten sie mindestens 20 Prozent Eigenbeteiligung aufbringen. Sparen sie jedes Jahr den Maximalbetrag auf einem, eventuell auf zwei 3a-Konten bei verschiedenen Banken an. Sinkt nun der Wert der Immobilie, oder wird eine neue Hypothek fällig, so können sie den ersparten Betrag des 3a-Kontos nützen um die Hypothek zurückzuzahlen und damit die monatliche Belastung zu senken. Falls sie sich in der ganzen Thematik unsicher fühlen ist es empfehlenswert Rat bei einem Experten zu suchen. Dabei sollten sie sich unbedingt nicht nur auf die Beratung der Banken verlassen, schliesslich wollen diese ihnen vor allem etwas verkaufen. Suchen sie wenn möglich einen unabhängigen Finanzberater, der ihnen bei der Finanzierung ihrer Immobilien sowie der Auswahl der richtigen Hypothek zur Seite stehen kann. Bei einem Hauskauf geht es um zu grosse Summen, als dass sie sich den Luxus leisten könnten sich mit Halbwissen zu begnügen und auf den Rat eines Experten zu verzichten. Ausserdem sollten sie auf jeden Fall verschiedene Offerten für Hypotheken einholen. Sowohl bei verschiedenen Banken wie auch bei Versicherungen. Gerade bei höheren Beträgen sollten sie sich nicht scheuen, nach Sonderkonditionen zu fragen und den Hypothekarzins nochmal etwas nach unten zu drücken. Über die Jahre gesehen rechnet sich auch eine Reduktion des Zinssatzes um 0.25 Prozent enorm.